5 – Macht, Medien, Migration
Shownotes
In den 1990er-Jahren wurden Migration und Medien zu zentralen Themen des Instituts. Wie schon zuvor trugen Forscher:innen des SUZ dazu bei, polarisierte Debatten mit empirisch fundierten Argumenten zu versachlichen. Prägend waren dabei zwei Professoren: Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny, einer der renommiertesten deutschsprachigen Migrationssoziologen, und Kurt Imhof, der damals in der Schweizer Öffentlichkeit präsent war wie kein anderer.
In dieser Folge erinnert sich Host Christina Caprez an ihr eigenes Studium zu jener Zeit am SUZ. Sie trifft die Migrationsforscherin Eva Mey, die in doppelter Hinsicht Pionierin war: Sie schrieb ihre Dissertation mit qualitativen Forschungsmethoden, zusammen mit ihrer Kommilitonin Anne Juhasz. «Die zweite Generation: Etablierte oder Aussenseiter?» stellte einen Perspektivenwechsel dar, von der Defizitorientierung hin zu einem ressourcenorientierten Blick.
Ausserdem erzählt Caroline Fink, wie sie in der Redaktion der «Zürcher Studentin» ihre Leidenschaft für den Journalismus entdeckte. Und sie erinnert sich an die Vorlesungen bei Kurt Imhof, der die Studierenden mit seinem Charisma in seinen Bann zog – und schon vor 30 Jahren die Krise der Medien analysierte.
Ein Podcast im Auftrag des SUZ, des Soziologischen Instituts der Uni Zürich. Projektteam SUZ: Claudia Hiestand, Patrick Ziltener, Hanna Ochsner, Nico Keiser.
Recherche, Produktion und Moderation: Christina Caprez. Mastering und Sounddesign: Christina Baron. Dramaturgische Beratung: Franziska Engelhardt.
Zu hören auf diversen Podcastplayern oder auf suz.uzh.ch/podcast.
Juhasz, Anne & Eva Mey. 2003. Die zweite Generation: Etablierte oder Außenseiter? Biographien von Jugendlichen ausländischer Herkunft. 1st ed. 2003. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. https://doi.org/10.1007/978-3-322-80497-6.
Kurt Imhof war Mitbegründer des fög – Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft / Universität Zürich.
Transkript anzeigen
00:00:02: Das Soziologiestudium hat mir dann eigentlich die Möglichkeit gegeben zu sehen und zu verstehen, was mir nicht passt.
00:00:12: Da wurde ich ein Stück weiter wachsender!
00:00:16: Ich habe damals gelesen irgendwo, dass im Schnitt sieben Personen ein Paper lesen.
00:00:23: Das hat mich total schockiert und dachte ich um Gottes Willen.
00:00:26: Und wir haben mehrere Monate bis für seinen Artikel geschrieben, aber dann lesen die in sieben
00:00:31: Menschen.".
00:00:32: Ich bin Christina Caprez, ich bin Journalistin und Soziologin und für diesen Podcast treffe ich Menschen, die in Zürich Soziologie studiert haben – wie ich!
00:00:41: Diese Folge wird ein bisschen persönlicher.
00:00:43: Wir tauchen nämlich in die Zeit ein als ich selber am Soz studiert habe…am soziologischen Institut der Uni Zürch.
00:00:50: Ich treffe eine Soziologin, die damals am Institut qualitative Methoden eingeführt und mich mit ihrer Begeisterung angesteckt hat.
00:00:57: Natürlich hatten wir das Gefühl, wir sind Pionierinnen – zumindest am Institutt waren wir es
00:01:03: auch!
00:01:04: Ich spreche mit einer Studienkollegin, der wie ich später in den Journalismus gegangen ist.
00:01:08: Das Institut hat einfach die Haltung vertreten, dass kritische Medien unabdingbar für eine funktionierende Gesellschaft sind.
00:01:18: Das ist ein Punkt, da stehen mir heute die Haare zu bergen wenn ich sehe was in den Medien läuft.
00:01:24: Und wir reden über das Leben als Studentin in den Achtziger und Neunziger Jahren Zu einer Zeit als der Gruppenspirit der Gründungsphase verflogen war und wie uns alle unsere eigenen Nischen suchen mussten um an der Uni heimisch zu werden.
00:01:39: Zuerst wie immer der Blick zurück.
00:01:41: In der letzten Folge haben wir gehört wie es Frauen in einer Männerwelt manchmal geht.
00:01:46: Alle wollten ja dann auch die Frau haben.
00:01:48: Ja, wir berücksichtigen
00:01:49: Frauen.".
00:01:50: Und da hat er nicht mehr rumgestreut und kann eigentlich etwas anderes wie ihre lieben Rotstreichen.
00:01:56: Das ist Weltenblick – Sechzig Jahre Soziologie in Zürich.
00:02:00: Folge fünf Macht Medien Migration.
00:02:18: Es ist schon interessant, wie viele Menschen, die ich für diesen Podcast treffe mir ähnliches erzählen über ihre Motivation Soziologie zu studieren.
00:02:26: zum Beispiel Eva Mai.
00:02:28: Ich spüre dir das da was isst Ungerechtigkeit, aber ich konnte das nicht so richtig fassen.
00:02:34: Oder noch ein Klassiker?
00:02:36: Ich war mit siebzehn ein Jahr in den USA und war sehr stark konfrontiert mit kulturellen Unterschieden einer ganz anderen Welt die gesellschaftlich anders funktioniert.
00:03:00: Da scheint das Interesse an Soziologie naheliegend.
00:03:03: Trotzdem ist sie für vielseitig interessierte junge Menschen zunächst oft gar nicht das Traumfach, sondern ...
00:03:10: Die Wahl kam die ganze Schluss nachdem ich mich zwischen Architektur und Landwirtschaft nicht entscheiden konnte.
00:03:18: Und manche finden ihr Glück auch erst im zweiten Anlauf.
00:03:22: Wie der Nationalrat funktioniert oder den Ständerat interessiert er mich überhaupt nicht.
00:03:28: Vor Studienbeginn bin ich nach Zürich gefahren, ging auf die Kanzlei.
00:03:31: Ich habe das Hauptfach umgeschrieben auf Soziologie und würde mich super befreit und wusste, dass ist das was ich will und das ist das
00:03:38: Richtige.".
00:03:47: Eva Mai – die erste Gesprächspartnerin für diese Podcast-Folge treffe ich in ihrem Büro im Züricher West.
00:04:00: Sie ist Professorin an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, ZHAW im Departement Soziale Arbeit.
00:04:07: Sie hat ihr Studium Mitte der Achtzigerjahre begonnen.
00:04:10: Seit der Gründung des Soziologischen Instituts waren zwanzig Jahre vergangen.
00:04:15: Das Schutz war mittlerweile erwachsen geworden.
00:04:17: Das erste Erlebnis das Jahr ganz... Für mich sowohl irritierend als auch faszinierend war, der Willkommens-Apero für die neuen Soziologinnen.
00:04:29: Ich habe mich natürlich gefreut als kleine junge Studentin den zu besuchen und war ganz nervös und neugierig was da kommen würde.
00:04:38: und dann gab es Prosecco glaube ich in irgendwelchen Prosecoglesen.
00:04:44: und wir lernen Herrn Bornscher kennen in seinem sehr gewohnten Stil und er sagte im Laufe des ersten Gesprächs, ja die Soziologie ist jetzt sehr salonfähig geworden.
00:05:00: Salonfähig!
00:05:01: Ich habe die Worte von Volker Bornschi aus der zweiten Podcastfolge noch im Ohr.
00:05:05: Schmuddelkinder seien sie gewesen – In den Augen der alt-ehrwürdigen Literatur- und Philosophieprofessoren.
00:05:12: Sie, die Sozologiestudierenden, die die Welt mit empirischen Daten erklärten anstatt mit reiner Betrachtung Die rausgingen, Leute befragten und soziale Missstände anprangerten.
00:05:22: In den Achtzigerjahren waren die Soziologinnen nicht mehr wild sondern mild.
00:05:27: Und später kam dann diese Party... ...und das nannte sich die neuen Mildern.
00:05:33: Das war das Motto, die Neuen Milder.
00:05:35: In der
00:05:37: Mitte des Jahres hat Zürich eine zweite Welle von Jugendunruhen erlebt, die unter dem Titel Züri brennt in die Geschichte eingehen.
00:05:46: Wieder verlatten die Demonstrierenden am Jugendzentrum Denn die Forderung von garlic war nie erfüllt worden.
00:05:53: Doch diesmal spielte die Soziologie eine andere Rolle.
00:05:56: In der zweiten Phase der Jugend und Ruhe, da waren das Soziologische Institut die Beobachter nicht mehr Detailnehmende.
00:06:04: Erinnert sich Francois Höpflinger.
00:06:06: Das wurde von dieser
00:06:07: Bewegung
00:06:07: negativ
00:06:08: bewertet.
00:06:09: Die haben dann zeitweise das Büro von Hans Kriesi besetzt und
00:06:14: verunstaltet.
00:06:15: Hans Kreersie war ein Soziologe am Sutz, der eine umfangreiche Forschungsarbeit über die Achtziger-Unruhen in Angriff nahm und Interviews mit den bewegten Jugendlichen führte.
00:06:25: Doch die werten sich dagegen Studienobjekte zu sein.
00:06:28: Den Soziologen, der durchaus mit ihnen sympathisierte, sahen sie als Vertreter des Systems das Sie verändern wollten.
00:06:35: Erstens
00:06:36: – wir sind gegen
00:06:37: Sparkprogramme für den Ausbau vom Lehrerangebot!
00:06:40: Auch an der Uni rodelte es.
00:06:48: Das neue Trendfach unter den revoltierenden Jugendlichen war jetzt nicht mehr die Soziologie, sondern die Ethnologie.
00:07:04: Lorenz Löffler der Leiter des ethnologischen Instituts stand bei Bewegung positiv gegenüber Und der Dozent Heinz-Nick begleitete die Prozeste mit der Kamera.
00:07:14: Je gegenspieler war Alfred Gilgen, der konservative Erziehungstirektor den wir in Folge drei kennengelernt haben.
00:07:32: Auch in den Sozialwissenschaften war eine stille Revolution im Gang
00:07:42: verabschiedet wurden, eine Zeit wo man sich interessierte für das Alltägliche.
00:07:48: Für die Menschen, für das Interpretative, für Praxis.
00:07:52: War es auch so am Soziologischen Institut?
00:07:54: Weil ich habe schon gehört dass er eben gerade die Bewegungswissenschaften nicht mehr wie sixty- acht dieser Sozologie war sondern die Ethnologie
00:08:01: Absolut!
00:08:03: Diese Lebendigkeit dieses Interesse wirklich eben an Alltagskultur Das war wenig noch spürbar.
00:08:11: Eva May erlebte als Studentin in den Achtziger und Neunziger Jahren eine gewisse Orientierungslosigkeit am Soziologischen Institut.
00:08:19: Dass das Institut sich dort auch ein bisschen gesucht hat, denke ich jetzt rückblickend auch weil es war eben nicht dort wo Sozial- und Kulturwissenschaftliches Denken wahrscheinlich schon angelangt war.
00:08:33: Thematisch war das Schutz damals durchaus auf der Höhe der Zeit beispielsweise was die beiden Themen Medien und Migration anging.
00:08:41: Aber dazu später mehr.
00:08:42: Zuerst bleiben wir noch einen Moment beim Studi-Leben in den Neunzigerjahren, um Rückschau zu halten treffe ich Karolin Fink in ihrem Atelier in Zürich Altstätten.
00:08:54: Karolin ist gerade mitten in einem Fotoshooting.
00:08:59: für einmal fotografiert sie keine anderen Menschen sondern sich selber und ihre Geschäftspartnerin Karin Bischoff.
00:09:05: die beiden haben eine Kamera auf ein Stativ montiert und nutzen den Selbstauslöser.
00:09:12: Die Bilder brauchen sie für die Webseite ihrer neuen GmbH, einer Firma für Visual Storytelling.
00:09:20: Gar nicht so einfach ein gutes Bild zu machen wenn niemand hinter der Kamera steht.
00:09:31: Eine Politikerin – das wollte Caroline Fink ja gerade nicht werden!
00:09:35: Sie, die kurz vor Studienbeding noch umgeschwenkt hatte von Politologie zur Soziologie.
00:09:40: Und wie hast du denn so das erste Semester erlebt?
00:09:42: oder die ersten Semestern?
00:09:44: Das war
00:09:45: pures raus.
00:09:47: Wir wurden einfach ins kalte Wasser geworfen, wir waren überhaupt nicht begleitet und ich erinnere mich dass ich in irgendwelchen Vorlesungen im Hauptgebäude von Theorien hörte, von denen ich jahrelang nicht wusste warum es ging.
00:10:06: Weil in diesen Vorlesungen waren ja dann Leute, die im vierzehnten Semester waren.
00:10:11: Damals vor der sogenannten Bologna Hochschulreform im Jahr six war das Studium noch sehr unstrukturiert und es gab nur wenige Pflichtfächer.
00:10:21: Ich
00:10:21: schätzte das zwar sehr damals dass ich nur irgendwie zwölf Stunden Unterricht oder Präsenzzeit pro Woche hatte ohne Testatpflicht aber ich mein Ja mit einundzwanzig war das auch nicht so einfach.
00:10:33: manchmal frage ich mich heute was habe ich mit dem Rest der Zeit gemacht?
00:10:36: Ich weiß es nicht.
00:10:38: Du hast auch gearbeitet, oder?
00:10:39: Ja ich habe gearbeitet!
00:10:42: Schon am Anfang im ersten Semester habe ich angefangen für die Unizeitung zu arbeiten und das war ziemlich vereinnahmend und wahrscheinlich genauso wichtig wie durchs Studium.
00:10:54: Die
00:11:00: war damals sehr link und sehr progressiv.
00:11:04: Und wir haben zum Beispiel alle Texte feminisiert geschrieben, mit dem Hinweis, dass Männern mit gemeint sind – und das hat mich extrem geprägt!
00:11:13: Mindestens so sehr wie die
00:11:14: Soziologie.".
00:11:16: Auch ich habe damals ein paar Artikel für die ZS geschrieben.
00:11:19: Die Redaktionsräume befanden sich in einem Altbau mit knarrennen Böden an der Rheemiestraße unterhalb der Universität.
00:11:26: Das Redaktionsteam machte alles selber vom ersten Brainstorming über das Interviewen und Schreiben bis hin zum Layout.
00:11:33: An die Schlussredaktion erinnert sich Carolin Fink wie einen Happening.
00:11:37: Das ging immer bis nach um zwei Uhr Und wir haben natürlich alle geraucht, ich weiß nicht ob wir auch noch Bier dazu getrunken haben.
00:11:45: Es war alles sehr befreit und sehr kreativ und es war ein Milieu oder eine Gruppe bei der man dann auf einmal dazugehörte
00:11:55: Eine Gruppe, die auch politische Aktionen durchführte Etwa Sitzstreiks gegen die Bologna-Reform.
00:12:00: Wir haben uns aufgelehnt, gegen eine Verschulung der Universität.
00:12:07: Obwohl wir selber zum Teil ein bisschen darunter litten, dass wir keine klaren Strukturen haben war für uns doch klar, Universität muss Bildung sein und nicht Ausbildung.
00:12:22: Wenn ich Carolin Fink zuhöre, fühle ich mich in meine eigene Studienzeit zurückversetzt.
00:12:27: Ich habe, wie Sie, mit dem Studium angefangen.
00:12:31: Caroline und ich haben uns damals am Institut nur gekreuzt, denn es gab keinen Klassenverband.
00:12:37: Je nach Interesse ob man sich eher in Weltgesellschaftstheorie, Migrationsforschung oder Mediensoziologie vertiefte begegnete man sich nie.
00:12:46: Die Zeit, in der alle Soziologiestudierenden eine eingeschworene Gemeinschaft bildeten – wie damals in den Gründungsjahren war vorbei!
00:12:54: So suchten wir alle nach etwas, woran wir uns orientieren und festhalten konnten.
00:12:58: Bei mir war es eine Gruppe von Studierenden die vorwiegend selbst organisiert lernten.
00:13:04: Wir interessierten uns für feministische Theorien und für kritische Sozialforschung.
00:13:08: in der Tradition des französischen Soziologen Pierre Bourdieu Davon gab es unserer Meinung nach im Lehrangebot viel zu wenig.
00:13:16: Also machten wir ein Do-it-yourself-Studium.
00:13:19: Dafür bot das Sutt damals Raum – und das scheint mir heute noch einzigartig.
00:13:24: Es gab beispielsweise die Freien Lehraufträge, die Möglichkeit eine spannende Soziologin von einer anderen Uni für ein Blockseminar nach Zürich zu holen.
00:13:32: Und es gab die studentischen Tutorate – eine Art selbstorganisierte Lernkreise zu einem bestimmten Thema.
00:13:38: Wer an solches Tutorat plant und leitete, erhielt sogar ein kleines Honorar!
00:13:44: Die freien Lehraufträge und die bezahlten Tutoraten gibt es übrigens immer noch, habe ich vor kurzem erfahren.
00:13:50: Sie werden nur wenig genutzt….
00:13:52: In den Semesterferien veranstalteten wir jedes Jahr einen Soziologielager auf einer Alb im Tessin.
00:13:58: Wir lasen soziologische Texte und diskutierten darüber.
00:14:02: Immer wieder überlegten wir auch gemeinsam, wie sich die Erkenntnisse aus der Soziologie in unser Leben übersetzen ließen – etwa was das Geschlechterverhältnis anging.
00:14:14: Karolin Fink fand also in der ZS-Redaktion ihre Nische ….
00:14:17: Ich in meinem eingeschworenen Studienkreis Und für Eva Mai wurde nebst dem Studium zunehmend eine ganz andere Welt wichtig.
00:14:26: Die Welt des Flamenco!
00:14:28: Ich habe immer schon getanzt, die ganze Kindheit durch.
00:14:31: Irgendwann in der Pubertät habe ich Flamencos entdeckt und nach dem Gymnasium war mich klar ob ich tanze oder studiere.
00:14:39: Ich habe mir gedacht ich gehe ein Jahr nach Spanien.
00:14:41: dann weiß ich es und ich war ein Jahr in Spanin und ich wusste es nicht.
00:14:46: Und so schrieb sich Eva Mai an der Uni ein.
00:14:48: Tanzt aber weiter Flamenko.
00:14:50: In den Semesterferien trainierte sie in Spanien und bald kam die Gelegenheit, in eine internationale Kompanie einzusteigen.
00:14:58: Während ich dort backstage saß kurz vor meinem Auftreten in dieser leidenschaftlichen Welt des Tanzes, sah ich mich manchmal und dachte so, Wahnsinn!
00:15:08: Fast wäre ich an der Uni gelandet wo alles so grau ist.
00:15:13: Zum Glück habe ich den Absprung geschafft und bin jetzt in diese Tanzwelt gelandete.
00:15:20: Nach einigen Jahren als Profi-Tänzerin verlor das Leben auf Tournee jedoch sein Glanz.
00:15:24: Eva May war müde, vom Stundenlagen sitzen im Bus und sie sehnte sich nach geistiger Nahrung.
00:15:30: Dabei endete sie ihre Flamenco-Karriere und entschied sich ganz für die Soziologie.
00:15:34: Die Leidenschaft ist wirklich einfach gelandet!
00:15:37: Was
00:15:38: für ein Glück denke ich, als Eva mir diese Geschichte erzählt?
00:15:41: Denn wenn Sie sich damals für den Flamenko entschieden hätte, wäre mein Studium wohl auch ganz anders verlaufen... Ich lernte Eva May kennen, als sie Assistentin am Institut war.
00:15:52: Damals schrieb sie zusammen mit ihrer Kollegin Anjuhas eine Doktorarbeit über die Biografien von Jugendlichen der zweiten Ausländergeneration – mit qualitativen Methoden.
00:16:02: Das fand ich aufregend, denn am Institutt war das damals ein Novum.
00:16:08: An dieser Stelle ein kleiner Schlenker Was heißt es eigentlich?
00:16:11: Quantitative und Qualitative-Methoden!
00:16:14: Anhand eines Forschungsprojekts zu Jugendlichen in der zweiten Generation erklärt Quantitative Forschende befragen viele Menschen mittels groß angelegter Umfragen und wollen zum Beispiel wissen, wie hoch ist der Bildungsabschluss?
00:16:26: Wie sind ihre beruflichen Chancen?
00:16:28: Und wie stark fühlen sie sich der Schweiz zugehörig.
00:16:31: Die erhobenen Daten werden statistisch ausgewertet.
00:16:35: Qualitativ Forschende interviewen einzelne Menschen ausführlicher und fragen beispielsweise – wie hast du es erlebt mit eingewanderten Eltern in der Schweiz aufzuwachsen?
00:16:44: Was bedeutet für dich persönlich Zugehörigkeit?
00:16:48: Vereinfacht gesagt, zeigt die quantitative Forschung uns welche Muster es gibt und wie häufig diese vorkommen.
00:16:55: Und die qualitative Forschung hilft uns zu verstehen, wie Menschen selber ihre Erfahrungen deuten.
00:17:01: Wir kamen mit einem qualitativen Ansatz der sich dann plötzlich auch stärker eben für subjektive Däutungen Für Diskriminierungserfahrungen, für Machtaspekte Interessierte
00:17:14: Aspekte dienen früheren Forschungen nicht in Zentrum standen.
00:17:18: Wir haben schon einen langen Weg gemacht innerhalb des Instituts, wo wir viele neue Ideen reingeholt haben und uns auch verteidigen mussten natürlich.
00:17:31: Kollegen hätten damals Witze gemacht über die beiden Frauen, die ihre Doktorarbeit gemeinsam schrieben – und dann erst noch mit qualitativen Methoden, die bei den Quantis als weniger seriös galten.
00:17:41: Ich mag mich rin!
00:17:42: Wir haben das auch mitgespielt Aber natürlich versucht das umzudrehen.
00:17:48: Wir waren die stolzen, qualitativen Frauen, die uns Tassen gemalt haben und geschenkt haben Will of Qualitativ und solche
00:17:57: Dinge.".
00:17:59: Für ihre Doktorarbeit sprachen Eva Mai und Ann-Johas mit neunzig Jugendlichen und jungen Erwachsenen ungewöhnlich viel für eine qualitative Studie.
00:18:07: Das ist methodisch sozusagen ein No-Go.
00:18:10: Aber das war eine Referenz an unseren Doktorvater, der sich ein bisschen Quantität
00:18:16: wünschte.".
00:18:17: Der Doktor Vater – das war Hans Joachim Hoffmann Novotny von dem in Folge drei schon einmal die Rede war.
00:18:23: Er renommierte Migrationsforscher, der auch bei den politischen Elite des Kantons ein gutes Standing hatte und gemäß François Höpflinger das Institut vor der Schließung rettete.
00:18:33: Als ich Eva Mai nach ihm frage, lächelt sie vielsagend!
00:18:37: Er war ein Patron.
00:18:39: Ein Patron, der irritiert reagierte als seine Assistentin ihm eröffnete, dass sie schwanger war.
00:18:46: Da kam wirklich die Seite als Patriarch zum Vorschein – er hat mich kurzerhand in die Lehre verbannt!
00:18:56: Eine Mutter würde sowieso nicht an der Uni bleiben und musste Ergo auch nicht forschen.
00:19:01: Ein paar Wochen später besann sich der Professor Anders und erlaubte über Mai die Rückkehr in die Forschung.
00:19:06: Es zeigt schon auch, dass Milieu das Klima und die Gender-Thematik wie sie damals präsent oder eben nicht präsente
00:19:15: war.
00:19:16: Ich kann mir diese Szene lebhaft vorstellen – denn für mich hat der Hans Joachim Hoffner-Nowotny etwas Profesorales!
00:19:22: Auch wenn wir ihn fast schon zärtlich alle nur Hono nannten... Was ich damals nicht wusste… Die Themen Migrationen und soziale Schichtung waren ihm in die Wiege gelegt.
00:19:31: Ihm dem Arbeiterkind und Sohn von Einwanderern aus Polen in Deutschland.
00:19:37: Er hatte zuerst eine Handwerkerlehre gemacht und dann erst studiert.
00:19:40: In den sieziger Jahren hatte er mit einer großen Studie zur Soziologie des Fremdarbeiterproblems, wie es damals hieß von sich reden gemacht.
00:19:48: Das war kurz nach der ausländerfeindlichen Schwarzenbach-Initiative.
00:19:53: in der aufgeheizten öffentlichen Debatte brachte der Soziologe einen nüchternen Blick ein Was
00:19:59: sicher ganz wichtig war das ja diesen Strukturblick wirklich eingeführt hat.
00:20:06: Was geschieht in einer Gesellschaft, wenn sie konfrontiert ist mit Migration?
00:20:11: Er hat zum Beispiel dieses Theorem der Unterschichtung
00:20:15: geprägt.".
00:20:16: Das also pointiert ausgedrückt die Neuzutzieherinnen, die Tracksarbeit machen während die Einheimischen sozial aufsteigen und Unterschichtigung heißt.
00:20:24: er hat auch darauf hingewiesen dass die einheimischen dann dank dem Migration aufsteigend.
00:20:29: kann man das so sagen.
00:20:30: Ja ja genau Dieser
00:20:33: strukturelle Blick auf Migration war für Eva Mai ein Augenöffner.
00:20:37: Für das bin ich ihm auch dankbar, wirklich!
00:20:39: Das hat mich geprägt über meine ganze
00:20:42: Zeit.".
00:20:44: Die Art wie Hans-Joachim Hoffmann-Novotny über Kultur nachdachte überzeugte die Doktoranden jedoch je länger desto weniger.
00:20:51: Er war da wirklich noch in einem sehr essenzialistischen Verständnis von Kultur – das war ja ein Thema an dem wir uns sehr abgearbeitet haben würde ich sagen.
00:21:01: Was heißt das für Leute, die jetzt nicht Soziologinnen sind bei einer essenzialistischen Wahrscheinlichkeit von Kultur?
00:21:08: Dass Kultur etwas homogenes ist wie ein monolithischer Block.
00:21:12: Die ganzen Ideen von Kulturgläsch und Kulturkonflikt kommen von dort her danach.
00:21:19: Ideen, die auch in der Schweizer Öffentlichkeit um die Jahrtausendwende verbreitet waren.
00:21:24: Es war die Zeit nach dem Elften September, das Welt Trade Center durch muslimische Terroristen.
00:21:32: Mich hat damals schockiert wie pauschalisierend und islamfeindlich auch die Schweizer Medien berichteten.
00:21:38: Sekondos also in der Schweiz aufgewachsene Kinder ausländischer Eltern wurden in den Medien damals oft als Problemfälle dargestellt.
00:21:46: Tränengas im Zürich – Wie alle Jahre
00:21:49: am ersten Mai Der schwarze Block,
00:21:51: bisher immer an vorderster Front.
00:21:52: dabei verabschiedet sich dieses Jahr früh.
00:21:55: Dann übernehmen vor allem sogenannte Sekondos ausländerjugendliche der zweiten Generation die Straße und werfen Steine.
00:22:01: Es geht gar nicht um die ersten Mein-Gedanke?
00:22:04: Nein!
00:22:04: Obwohl alles zurückzahlen,
00:22:05: was uns angemacht
00:22:06: haben... Das ist einfach so wie Rache,
00:22:08: das ist jetzt unsere Rache.
00:22:09: Sekondus als gewaltbereite Randallierer – der Ton war gesetzt.
00:22:14: Das gibt Probleme mit den Sekondosen In der Schule gibt es Probleme.
00:22:19: Die Eltern sind nicht gebildet, die Kinder werden deviant steigen aus und, also all diese starke
00:22:29: Defizitorientierung.".
00:22:31: Diese Wahrnehmung stand im Gegensatz zu dem was Eva Mai und ihre Kollegin Ann Juhaß in ihrer Doktorarbeit fanden.
00:22:37: Sie lernten Familien mit einer starken Aufstiegsorientierung kennen.
00:22:41: Die Eltern waren in die Schweiz gekommen damit die Kinder es einmal besser hätten und die Kinder nahmen das als Auftrag.
00:22:47: Wir haben jetzt das Projekt der Mobilität genannt, also quasi die geografische Mobilität der Eltern.
00:22:56: dann auf die Kinder übertragen wird, dass die Kinder mobil sind im sozialen Sinn, dann eben aufsteigen wollen wie stark die Familien da auch stützen, wie viele sie opfern investieren damit dieser soziale Aufstieg gelingt.
00:23:10: Dabei ließen sich die beiden Forscherinnen vom franzisischen Soziologen Pierre Bourdieu inspirieren.
00:23:15: Er hatte den Begriff Sense of One's Place geprägt, um zu beschreiben wie stark wir uns dem Milieu Zugehörig fühlen in das wir geboren werden.
00:23:25: Wir haben dann eben aus dieser Entdeckung dieses starken Mobilitätsprojekt und dieses Aufsteigenwollens den Sense Of One's Way gekriegen was relativ schön wieder gibt, was wir dort gesehen haben.
00:23:37: Also das Bewusstsein?
00:23:39: Meine Eltern sind aufgebrochen damit es uns einmal besser geht und ich führe dieses Aufstiegsprojekt weiter!
00:23:45: Ich merke bis heute die Leidenschaft, die Eva Mai damals in ihrer Forschungsarbeit steckte.
00:23:50: Ich muss schon sagen diese Biografien haben uns total fasziniert oder was alles möglich war.
00:23:55: Heute sieht Eva Mai ihre damalige Begeisterung auch etwas selbstkritisch.
00:24:00: Prekäre Situationen seien dadurch vielleicht etwas aus dem Blick geraten Aber die Faszination für Aufsteigerbiografien sei damals in Trennt gelegen, auch bei anderen Forschenden.
00:24:10: Es kommt mir manchmal so vor wie wenn man den Namen für sein Kind aussucht und dann denkt man hat einen genialen Namen noch niemand hatte.
00:24:19: Dann werden die Kinder eingeschult und man sieht es hat fünf Mauros oder Hannas in der Schule.
00:24:25: So kommt das mir ein bisschen vor.
00:24:26: Wir waren Pianieren.
00:24:28: wirklich wir haben ein paar wichtige Dinge gemacht, auch umgezehnt und gestärkt Aber natürlich waren wir auch Kinder unserer Zeit und dessen, was aufkam.
00:24:44: Migration war das eine wichtige Thema am Sutz um die Jahrtausendwende.
00:24:48: Das andere war die Mediensoziologie – vertreten durch den vielleicht prominentesten Zöchersozologen der Jahrtauendwenden.
00:24:55: Kurz im Hof.
00:24:57: Ein Vorwurf kurz im Hof von Sio machen ist, dass sie sagen, die Medienhäuser dücken.
00:25:03: Der seriöse Informationsjournalismus nicht im Quersubventionieren gelohnt, habe ich sich auch nie.
00:25:08: Aber heute dürfen wir das nicht mehr in den Quersupventionieren.
00:25:11: Es ist seltenverständlich, dass die Medienbranche hat Schwierigkeiten.
00:25:15: Man hat gravierende Fehlleistungen gemacht, derbsimpf vom Gratisangebot sowohl am
00:25:19: Print
00:25:19: als auch im Online-Bereich, wo die Leute ein Gefühl
00:25:22: haben, sie
00:25:23: sind überhaupt nichts wert und der
00:25:24: Journalismus ist im Kern auch nichts
00:25:26: wert.
00:25:26: Wir haben ja Presstischwerte
00:25:28: des Journalismus, welches
00:25:29: im Boden gesunken ist, für Gesellschaft überhaupt nicht gut.
00:25:32: Ja, da denke ich natürlich, Kurt Imhof ist einfach zu früh gestorben.
00:25:37: Sagt Caroline Fink die bei Kurt Imhoff studiert hat
00:25:41: Wir würden ihn mehr denn je.
00:25:43: heute würden wir seine Stimme brauchen und wir müssen diese Stimme auch weiter tragen
00:25:50: Denn was Kurt Imhof anspricht, hat Caroline Fing selber nach dem Studium als Journalistin und Fotografin erlebt.
00:25:56: Redaktionen gerieten unter Druck, Büchis wurden gestrichen.
00:25:59: Die Honorare von freien Mitarbeitenden sanken und sanken.
00:26:03: Bis heute erinnert sich Karolin Fink gerne an den schillernden Professor an Kurt Imhof wie er mit dem Motorrad anbrauste, wie er vorne im Hörsaal hin- und hertiegerte und wie er sein Publikum von der ersten Sekunde an in den Band zog.
00:26:18: Sein Charisma eine Vorlesung zu halten.
00:26:22: das war eindrücklich.
00:26:24: Kurt Imhof war echt der Einzige, der es geschafft hat.
00:26:27: Dass er in diesem Vorlesungssaal einfach zwei Stunden Mux-Meuschen still war.
00:26:34: und auch wenn er am Ende noch überzogen hat dann blieben einfach alle
00:26:37: sitzen.".
00:26:38: Das Feuer das Kurt Imhoff für die Soziologie hatte sprang auf Caroline Fink und ihre Mitstudierenden über.
00:26:44: Also etwas was mir bis heute geblieben ist schon diese These über die Kulturindustrie Theorie stark geprägt nachher.
00:26:55: Warum geht es da?
00:26:57: Das ist eine Kapitalismuskritik, das man vorausschicken und da geht es darum dass die kulturelle Sphäre der Gesellschaft ebenfalls industrialisiert wurde also eben eine Kulturindustrie die eigentlich nur darauf abzielt die Menschen in der schwerlichen Freizeit mit jetzt banal gesagt verblödenden Inhalten abzufüttern und ruhigzustellen, dass sie gar nicht auf die Idee kommen zu hinterfragen was Sie in Ihrem Leben eigentlich tun.
00:27:30: Eine Theorie, die die Philosophen Theodor W Adorno und Max Horkheimer in ihrem Werk Dialektik der Aufklärung schon nineteenhundertvierundvierzig entwickelten Und die heute in Zeiten von Smartphones und Social Media erschreckend an Aktualität gewinnt.
00:27:49: Kurt Imhof hat den Aufstieg der Smartphones nur noch in den Anfängen miterlebt.
00:27:54: Er ist im Jahr two-tausendundfünfzehn mit erst neunundfünftig Jahren an einem Krebsleiden gestorben.
00:28:00: Sein Vermächtnis ist das Vög, das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft, dass er an der Schnittstelle zwischen Soziologie und Publicistik aufbaute – genau zu der Zeit als Carolin Fink bei ihm studierte!
00:28:13: Wie hast du diesen Aufbau denn mitbekommen von außen?
00:28:16: Also da kommt jemand mit Charisma, mit Leidenschaft.
00:28:18: Mit einem... Sowohl Forschertrang wie auch Mitteilungsbedürfnis und baut ein neues Institut auf.
00:28:26: Von der Forschung her war das auf jeden Fall zu begrüßen.
00:28:29: Und so einen Engagement ... Ich glaube es ist auch außergewöhnlich umgekehrt.
00:28:34: also er hat ja dann auch eine sehr treue Gefolgschaft sag ich jetzt mal.
00:28:39: Es hatte sowas von dem.
00:28:42: Aber man wusste auch, dass die oft einfach notorisch überarbeitet und am Anschlag waren.
00:28:47: Und das ging irgendwie schon an die Substanz dieses Feuern.
00:28:51: oder also wo Feuer brennt kann es auch zu hören als kommen.
00:28:55: Kurz im Hofs kritische Stimme.
00:28:57: Die Fehler heute sagt Caroline Fink.
00:29:00: Sie hat den Niedergang der Qualitätsmedien am eigenen Leib erlebt.
00:29:04: Nach dem Studium konnte sie jahrelang als freie Journalistin gut leben zunächst in Print dann in der Fotografie und im Film.
00:29:11: Sie spezialisierte sich auf alpine Themen und publizierte regelmäßige Reportagen aus den Bergen.
00:29:17: In den letzten Jahren ist das Business jedoch so hart geworden, dass es nicht neu orientieren musste.
00:29:23: Pragmatisch beschloss sie als Fotografin wieder mehr kommerzielle Aufträge anzunehmen.
00:29:29: Gleichzeitig engagierte sich für eine vielfältige qualitativ hochstehende Dokumentarfotografie in der Schweiz.
00:29:35: Dazu hat sie vor kurzem die Fotografie-Ausbildung des Mats, des Schweizerischen Medienausbildungszentrums übernommen.
00:29:42: Weil dieser Zweig für das Mats nicht mehr rentierte, bot sie an ihn mit ihrer GmbH selber weiterzuführen.
00:29:49: und jetzt ist sie – die Soziologin und freier Journalistin, plötzlich Inhaberin einer Schule für visuelle Storytelling und dokumentarische Fotografien etwas woran sie sich zuerst noch gewöhnen muss.
00:30:02: gedacht, dass es mal so weit kommt.
00:30:05: Aber das ist jetzt so und das ist ein kleiner Puzzlestein in der ganzen Medienwelt.
00:30:10: aber wenn wir diese Ausbildungen nicht haben und als Fotografen-Fotografinnen diese Räume nicht mehr haben dann verlieren mir einen Teil der Öffentlichkeit indem Themen verhandelt werden und dieses Verhandeln von Themen in der Öffentlichkeit kann man einfach direkt an Aktienkurse oder an Profitknüpfen.
00:30:34: Das hat einen
00:30:35: Wert,
00:30:35: der
00:30:36: anderswo liegt und das ist eine Herausforderung aber diese Herausforderungen müssen wir als Gesellschaft
00:30:45: annehmen.".
00:30:46: Auch Eva Mai wollte nach der Doktorarbeit raus aus der Uni.
00:30:52: Eine Habilitation kam für sie nicht infrage – schon gar nicht als sie erfuhr wie wenig Leute ein wissenschaftliches Paper lesen!
00:30:59: Der andere Punkt ist wirklich, dass ich über diese Biografieforschung, über diese Gespräche mit den Menschen einfach noch näher an Lebenswelten angekommen bin.
00:31:11: Und das war schon auch ein Grund, was ich raus wollte – raus oder rein in die Welt!
00:31:17: Das war für mich ganz stark.
00:31:19: Ganz weg von der Forschung ging Eva Mai aber nicht.
00:31:21: Sie wechselte an die Fachhochschule zuerst nach Luzern später nach Zürich.
00:31:26: Bis heute arbeitet sie an der ZHW, der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften am Departement Soziale Arbeit.
00:31:33: Und bis heute beschäftigt sie das Thema Migration.
00:31:36: Dabei ist es sehr wichtig die Erkenntnisse ihrer Forschung auch in die Öffentlichkeit zu tragen und Sie mit den Menschen zu diskutieren, die Gegenstand Ihrer Forschung sind.
00:31:53: An
00:31:56: einem Dienstagabend stellt Eva Mayer aktuelles Projekt in Toni Areal, in Zürich West vor.
00:32:02: Der Saal ist voll!
00:32:03: Kurz vor der Abstimmung über die zehn Millionen-Initiative hat das Thema an Präsanz gewonnen.
00:32:12: Das Thema liegt der Soziologin am Herzen Denn gefördert wird in der Schweiz, in der Logik der ökonomischen Verwehrbarkeit vor allem die berufliche Integration.
00:32:22: Soziale Aspekte wie das Wohnen, die zwischenmenschlichen Kontakte oder die politische Partizipation gerieten im Hintergrund.
00:32:29: Es fließt deutlich weniger Geld!
00:32:34: An diesem Abend stellen Eva Mai und ihr Kollege Peter Streckeisen Schlüsselkriterien der gesellschaftlichen Teilhabe vor, die sie im Rahmen eines Auftrags für das SEM, das Staatssekretariat für Migration entwickelt haben.
00:32:48: Auf einem Podium nehmen zwei Fachleute der sozialen Arbeitstellung dazu, die selber Migrationserfahrung haben – Malik Ossi und Silvia Birnstiel
00:32:57: Diese Kriterien, die wir da entwickelt haben, das ist fast ein bisschen ein Praxistest.
00:33:02: Mal zusammen schauen wie das
00:33:03: funktioniert.".
00:33:05: Silvia Birnstiel ist Quartierarbeiterin in Bern und arbeitet viel mit Geflüchteten.
00:33:20: Zum Beispiel der Stress, dass Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft mit fünf anderen Teilen zu müssen oder entständiger Angst zu leben, die Schweiz wieder verlassen zu müssen.
00:33:45: Sozialarbeiter Malek Ossi arbeitet auch für eine Wohnbaugnossenschaft, wo er über die Vermietung der Wohnungen mitbestimmt.
00:33:53: Ein Kandidat – ein geflüchteter Mann – habe für seine Wohnungssuche einen Grund genannt, den den Sozialarbeitern stutzig
00:33:59: machte.".
00:34:06: Und das war mit seinen
00:34:16: Hauptnotationen.
00:34:17: Ich möchte
00:34:17: Spieglerei kochen,
00:34:18: ich möchte Spiegler im
00:34:19: Essen.".
00:34:21: Dann habe ich gedacht, das stimmt!
00:34:23: Das habe ich mir nicht überlegt aber ja
00:34:25: es läuft mir ein total und dass es
00:34:28: wichtig
00:34:28: ist selber kochen selbst bestimmen was ich essen will.
00:34:33: Die Grundbedürfnisse wie Wohnen, Essen, Sicherheit müssten erfüllt sein bevor an eine Teilnahme am sozialen Leben zu denken sei.
00:34:40: da sind sich die Podiums teilnehmenden Einig.
00:34:47: Nach dem Podium geht die Diskussion am Rand der Bühne weiter.
00:34:51: Auch Eva May geht mit neuen Erkenntessen nach Hause.
00:35:04: Es geht darum, was in deinem Körper gibt.
00:35:06: Das ist etwas ganz intimes.
00:35:07: Es ist eine fremde Stimmung und die letzte Fremde-Stimmung.
00:35:10: Was geht in meinen Worten?
00:35:13: Wir sind alle Menschen gleich, weil es durch unser Bedürfnis sind die gleichen.
00:35:17: Ich denke hier fällt die Empathie uns auch.
00:35:19: Es scharge dass dieser Diskurs nicht mehr in der Öffentlichkeit
00:35:23: stattfindet finde
00:35:24: ich Auf dem Heimweg von der Podiumsdiskussion werde ich nachdenklich.
00:35:33: Wie viele Fragen, die bis heute hochaktuell sind haben SoziologInnen schon vor Jahrzehnten behandelt.
00:35:38: Von den Spannungen, die Migration in einer Gesellschaft auslöst bis hin zur Rolle der Medien in eine Demokratie.
00:35:45: Das Fach das ich damals gewählt habe gewinnt gerade an zusätzlicher Relevanz.
00:35:50: Das spüre ich auch in den Interviews für diesen Podcast.
00:35:53: Egal ob mit einer Headhunterin spreche oder mit einer Journalistin Die Soziologie ist allen bis heute im Herzen.
00:35:59: mir denn je
00:36:01: Hast du dir das Gefühl, bei vielen Podcasts, dass die Leidenschaft für die Soziologie so stark
00:36:06: ist?
00:36:06: Wo ich ein Interview gemacht habe.
00:36:07: Voll!
00:36:14: In der nächsten Folge lernen wir Mark Herkenrad kennen – der sich schon als Student für Entwicklungspolitik interessierte.
00:36:19: Aber damals noch keinen Schimmer hatte, wohin es ihn nach dem Studium ziehen würde...
00:36:25: Ich hätte mich damals nie
00:36:26: und
00:36:26: nicht mehr träumen lassen, dass ich dann irgendwann
00:36:29: mal ... Ein Doktor
00:36:30: wäre und dann
00:36:31: später sogar mal
00:36:32: Titularprofessor.
00:36:34: Ich glaube, ich wusste damals sowieso noch nicht, was mein Lebensplan
00:36:38: ist.".
00:36:39: Und wir treffen Tabitha Gassner – einer der obersten Drogenverantwortlichen in der Stadt Zürich.
00:36:44: In den neunzigern Jahren hat die Stadt Züri ganz viel geklärt durch die ganze Platzspitze-Geschichte und das Elend und das Leid von vielen Menschen.
00:36:53: Jetzt kommt das Thema wieder zurück und jetzt müssen wir einfach schauen, dass wir rechtzeitig wieder wirklich bereit sind.
00:36:59: Ich muss ganz ehrlich sagen, es ist schon anfangs.
00:37:03: Die nächste Folge erscheint in einer Woche.
00:37:05: Wir finden Sie im Podcast Player eurer Wahl oder im Netz auf suz.ucta.ch.
00:37:11: slash podcast.
00:37:12: Das ist Weltenblick – Sechzig Jahre Soziologie in Zürich.
00:37:16: Ein Podcast im Auftrag des SuZes der Soziologischen Instituts der Uni Zürch.
00:37:21: Recherche, Produktion und Moderation Christina Caprez Mastering und Sounddesign.
00:37:26: Christina Baron Drabaturgische Beratung Franziska Engelhardt Musik Blue Dot Sessions.
00:37:33: Wenn euch dieser Podcast gefällt dann folgt uns und empfehlt uns weiter.
00:37:36: Wir freuen uns darüber!
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