7 – Soziologie für eine neue Welt
Shownotes
Wo steht das SUZ heute? An der Posterpräsentation der Bachelorstudierenden stossen wir auf erste erfolgreiche Forschungsprojekte an. Die Themenpalette ist breit – von der «Geschlechterlücke» in Führungspositionen über die Demokratieverdrossenheit auf dem Land bis hin zur Wahl der Krankenkassenfranchise.
Anders als es die Medienpolemik des Sommers 2026 suggeriert – die NZZ unterstellt ausgerechnet den Soziologiestudierenden weltfremdes Schmarotzertum – trifft Host Christina Caprez auf wache junge Menschen, die sich neben dem Studium ehrenamtlich engagieren und ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren. Sie lernt eine Soziologin kennen, die zunächst eine Berufslehre als Elektronikerin machte und danach Physik und Soziologie studierte, weil sie genau wissen wollte, was die Welt zusammenhält. Und sie ist bei der Sitzung einer internationalen Forschungsgruppe am SUZ dabei, die den Zusammenhang von Einbürgerung und Integration untersucht. Ein Flashback: Schon vor 100 Jahren hielten Soziologen aus dem Ausland der Schweiz den Spiegel vor.
Ein Podcast im Auftrag des SUZ, des Soziologischen Instituts der Uni Zürich. Projektteam SUZ: Claudia Hiestand, Patrick Ziltener, Hanna Ochsner, Nico Keiser.
Recherche, Produktion und Moderation: Christina Caprez. Mastering und Sounddesign: Christina Baron. Dramaturgische Beratung: Franziska Engelhardt.
Zu hören auf diversen Podcastplayern oder auf suz.uzh.ch/podcast.
Die nächste Posterpräsentation der Bachelorarbeiten am Soziologischen Institut findet am Nachmittag des 15. Dezember 2026 statt. Informationen dazu folgen einige Tage vor der Veranstaltung auf der SUZ-Webseite.
Transkript anzeigen
00:00:02: Ich würde allen Ratensoziologie zu studieren.
00:00:04: Man kann sich in unglaublich vielen Themen vertiefen, die einem interessiert und auch vor allem in der Bachelorarbeit genau das machen was einem am Herzen
00:00:13: liegt.".
00:00:20: Denn das hier ist die letzte Folge dieses Podcastprojekts, dass mich über die letzten Monate hinweg begleitet hat und das zu einem echten Herzensprojekt geworden ist.
00:00:30: In dieser Folge besuche ich die Bachelor-Abschlusspräsentation am Soziologischen Institut – Ich fühle den Studierenden den Puls und ihren Eltern.
00:00:39: Soziologie betrifft uns alle eigentlich.
00:00:41: Viele wissen es oder merken es gar nicht!
00:00:43: Ich bin beim Treffen einer Forschungsgruppe dabei Und ich lerne eine ehemalige Studentin kennen, die dank ihrer speziellen Fächerkombination, Soziologie und Physik ihre ganz eigene Nische gefunden hat.
00:00:55: Das macht es noch interessant auch für gewisse Arbeit, weil ich wie beide Perspektiven einnehmen kann, je nachdem, wer ich vor mir
00:01:01: habe.".
00:01:04: Das ist Weltenblick – Sechzig Jahre Soziologie in Zürich.
00:01:08: Siebte und letzte Folge Soziology für eine neue Welt.
00:01:15: Ja, herzlich willkommen zur
00:01:17: Prosta-Präsentation vom Frühjahrssemester.
00:01:22: Ich bin am Soziologischen Institut in Zürich-Örlikon.
00:01:26: Im großzügigen Gang zwischen den Büros und Seminarräumen herrscht ein buntes Gewusel – Studierende, Assistentinnen und ProfessorInnen aber auch Eltern, Geschwister, Freundinnen.
00:01:37: Es war irgendwie auch erfüllend zu sehen was die Prozesse durchmacht von einer Idee am Anfang zu einer finalen... eigenständigen Arbeit am Ende.
00:01:46: Und ich hoffe, dass ihr heute auch wenn diese Anlass ein bisschen Druck mitbringt, auch ein bisschen feiern könnt das ihr mal innehalten könnt und realisiert was ihr eigentlich geschafft habt in den letzten vier Monaten.
00:01:56: von daher genießt es und lasst sich euch schmecken und viel Spaß!
00:02:04: Mit einem Glas und ein paar Häppchen in der Hand bahne ich mir einen Weg durch die Menge.
00:02:09: Mit roten Wangen stehen die Studierenden neben ihren Postern.
00:02:12: stolz unter Leichterungen sind ihnen ins Gesicht geschrieben.
00:02:15: Nach drei Jahren Studium haben sie ihren ersten Abschluss in der Tasche.
00:02:19: Anders als zu meiner Zeit, als es nur das Lizenziat gab – endlich wieder heutige Master und für das man damals mindestens sechs Jahre brauchte!
00:02:29: Ich will wissen was die Studierenden heute beschäftigt und welche Perspektiven sie nach ihrem Abschluss haben?
00:02:35: Wie heißt du?
00:02:36: Elena Was waren die größten Herausforderungen für dich?
00:02:40: Ähm...
00:02:41: ich denke schon halt die Prüfungsphasen wie man sie kennt.
00:02:44: Also ich kenne das nicht.
00:02:45: Wir hatten damals fast keine Prüfungen.
00:02:47: Ich denke, am Anfang auch ein bisschen sich selber finden.
00:02:50: Soziologie ist ja schon sehr breit und ich war dann wie ... Ich wusste okay es interessiert mich alles irgendwie ein bisschen aber wo ist jetzt genau mein Weg?
00:02:59: Also ich hatte am Anfang schon so ein bisschen Identitätskrise.
00:03:02: Wo finde ich mich jetzt?
00:03:04: Das kommt mir allerdings schon bekannter vor.
00:03:06: Und warum hast du dich überhaupt für Soziologien entschieden?
00:03:09: Ich denke gerade wegen dieser beiden Spankbreite also sehr breit interessiert und man kann unheimlich in viele verschiedene Gebiete reinschauen.
00:03:19: Und
00:03:20: ich habe einen sehr starken Gerechtigkeitssinn schon immer gehabt, als Kind.
00:03:25: Also wenn ich etwas abschaffen könnte in der Gesellschaft wäre es Ungerechtigkeit und ich denke, dass Psychologie schon das fach
00:03:31: ist.
00:03:32: Engagierst du dich denn auch politisch?
00:03:34: Ich bin nicht selber politisch aktiv, aber ich bin beides Gastet dabei.
00:03:37: Das ist ein Verein für die politische Bildung von Jugendlichen einsetzt.
00:03:41: also ich moderiere Podien.
00:04:02: Ich finde, es hätte auch genau andersrum sein können.
00:04:05: Denn in der Schweiz mit der direkten Demokratie hat man doch gerade auf dem Land viele Möglichkeiten,
00:04:09: mitzubestimmen.".
00:04:11: Elida Messerknicht hat für ihre These Beobachtungen aus anderen Ländern beigezogen.
00:04:16: Etwa aus den USA, wo vor allem Menschen auf dem Land Politik vertrossen sind und Trump gewählt haben.
00:04:23: Würde es sich interessieren zu dieser Frage noch weiterzuforschen?
00:04:26: Ja, auf jeden Fall!
00:04:27: Weil ich mir definitiv bewusst, dass das noch ein sehr einfaches Modell ist in dem Sinne halt auf Bachelorarbeitsniveau.
00:04:34: das große Weitere dazu wäre... einfach die populistischen Parteien weltweit, die einen Aufstieg bekommen.
00:04:41: Ich denke es ist schon sehr wichtig weiter zu untersuchen.
00:04:45: Und was planst du nach dem Bachelor?
00:04:47: Ich werde noch ein Master machen an der Uni Zürich und werde mich jetzt noch vertiefen auf Politik.
00:04:52: Also ich habe so das Thema Politik für mich entdeckt.
00:05:01: Am Rand des Gewusels steht Jörg Rössl, der Professor- und stellvertretender Institutsvorsteher strahlt.
00:05:07: Bei uns ist das schon, muss man sagen, ganz klar einer der Erhöhepunkte des akademischen Jahres.
00:05:13: Die Bachelorarbeit sei nämlich das Herzstück des Studiums am Sutz – dem Soziologischen Institut der Uni Zürich.
00:05:20: Also jeder, die bei uns hier das Studium, das Bachelorstudium abschließt kann am Ende mehr oder weniger eigenständig eine kleine wissenschaftliche Arbeit schreiben und zwar eine wissenschaftlicher Arbeit wie auf eigener Datenauswertung basiert mit eigener Fragestellungen, eigenen Ergebnissen.
00:05:38: Das finde ich tatsächlich eine große Leistung.
00:05:41: Eine Leistung, die in anderen Studiengängen erst auf Masterstufe erreicht werde.
00:05:48: Zusammen mit Jörg Rössl schlendere ich noch etwas weiter von Poster zu Poster.
00:05:53: Mich beeindruckt der wilde Mix an Fragen, die da untersucht wurden.
00:05:57: Sind kinderlose Frauen glücklicher?
00:05:59: Bauen Menschen im Kontakt mit Migrantinnen Vorurteile ab oder gerade jetzt im Herbst wieder aktuell?
00:06:05: was beeinflusst die Franchisenwahl bei der Krankenkasse?
00:06:11: Darf ich ein paar Fragen stellen?
00:06:12: Ja
00:06:13: sicher, ja.
00:06:13: Okay super!
00:06:14: Ich bin Christina und habe auch Soziologie studiert aber schon vor Länge.
00:06:17: Und mache jetzt diesen Podcast über sechzig Jahre Soziologie.
00:06:20: Wie heißt
00:06:21: du?
00:06:22: Fabio Frascarillo
00:06:23: Warum hast Du Dich für Soziologe entschieden?
00:06:25: Ich habe erst einen Semester an der Heuske studiert und hatte das als Modul nebenbei.
00:06:32: Und ich hab mich sehr viel interessiert.
00:06:35: Der restliche Teil der Heuse hat mir da nicht so überzeugt.
00:06:38: Dann habe ich dann angefangen... Sie ist sogar als Hauptfach an der Uni Zürich zu studieren.
00:06:43: Und hat es den Erwartungen entsprochen?
00:06:46: Ja, sehr ein breites Fach und das ist das was mich sehr überzeugt, dass man schaut überall ein bisschen rein.
00:06:52: Was ist das Thema deiner Bachelorarbeit?
00:06:54: Meine Bachelorarbeit geht über die Franchisenwahl bei der Krankenkasse.
00:06:59: Meine erste Prothese war je höher die Franschise, desto weniger Arztbesuche wurde bestätigt.
00:07:05: Die zweite Hypothese, dass dieser Effekt bei Einkommensschwachenhaushalten stärker wäre.
00:07:10: Dass also ärmere Menschen mit einer hohen Franchise noch weniger zum Arzt gehen, konnte Fabio Froscaria nicht bestätigen.
00:07:18: Was doch eigentlich interessant ist, wenn ich jetzt richtig sehe sind es
00:07:21: die
00:07:22: Leute mit höheren Einkommen, die eher höhere Franzifen wählen?
00:07:26: Ich hab das so erklärt in der Diskussion, dass es weniger Risiko ist für die Einkommenschwachgenhaushalter.
00:07:33: Aber das würde ich auch zu argumentieren!
00:07:34: Das ist im Grunde, könnte man sagen wie ein Versicherungsprinzip.
00:07:38: Die einen brauchen diese Versicherung stärker als die anderen.
00:07:43: Was ich interessant finde der Bundesrat plant ja die Mindeststandschieße zu erhöhen.
00:07:47: das würde in diesem Fall sehr stark die Einkommen schwachen Haushalte betreffen wo schon sowieso das Risiko verringern möchten aber nachher noch mehr zahlen müssen.
00:07:57: So schnell sind wir von der Sozialologie bei der Wirtschaft und bei der Politik Spannend.
00:08:03: Und was planst du nach dem Bachelor?
00:08:06: Erstmal ein bisschen arbeiten und ich habe mich interessiert für einen Master in Unternehmensentwicklung, also ein bisschen mit der Richtung Wirtschaft.
00:08:15: Ich bin aber noch nicht sicher ob ich das jetzt wirklich machen werde.
00:08:19: Ich arbeite auch bei einer Krankenkasse deshalb das Thema und jetzt bleibe ich mal bei der Krankenklasse und schaue mal wie sich das nächste Jahr entwickelt.
00:08:29: Und ging es gut, also Erwerbsarbeit und Studium zu vereinbaren?
00:08:34: Gibt es Challenges natürlich.
00:08:36: Also ich arbeite fünfzehn Prozent nebenbei und das ist viel, aber ich wollte das auch weil ich einfach schon selbstständig lebe und nicht von den Eltern abhängig sein wollte.
00:08:49: Und wie hast du das Studierendenleben erlebt an der Uni Zürich?
00:08:52: Denn die Soziologie gibt es überhaupt.
00:08:54: oder hat das überhaupt Zeit dafür?
00:08:55: Ja es gibt das jährliche Spaghetti-Plausch.
00:08:58: Das war immer eine coole Sache und im Allgemeinen
00:09:06: Die eigentliche Familie, Schwester und Vater von Fabio sind auch zur Posterpräsentation gekommen.
00:09:12: Der Vater unterhält sich gerade mit einem anderen Mann, dessen Tochter ebenfalls hier ihre Arbeit
00:09:17: präsentiert.".
00:09:21: Es
00:09:26: ist eine Erlebnis für mich auch.
00:09:34: Ich bin nicht ein Zusurlog, ich bin ein Wirtschaftler,
00:09:37: aber es
00:09:38: betrifft ihn direkt auf mich natürlich.
00:09:40: Ja,
00:09:41: das ist
00:09:41: sehr interessant!
00:09:42: Auch
00:09:42: überhaupt die ganzen Sachen hier, die gezeigt
00:09:45: werden muss... Man braucht eigentlich mehr Zeit aus einer halben bis zwei Stunden um das alles zu sehen und ... Soziologie ist eine zentrale Wissenschaft.
00:09:56: Wow!
00:09:56: Diese Väter könnte man glatt für einen Werbespot für das Schutz engagieren.
00:10:01: Aber mir geht's ähnlich.
00:10:02: Auch ich entdecke meine Begeisterung für das Fach noch einmal neu.
00:10:07: Ein paar Poster weiter ist ein dritter Vater gerade ins Gespräch mit einer Studentin vertieft.
00:10:13: Sie haben jetzt dieses Poster angeschaut, was hat sie interessiert daran?
00:10:17: Ja... Geschlechterlücke!
00:10:19: Das ist ein Begriff der mir so nicht präsent war.
00:10:23: Mir auch nicht.
00:10:24: Zu meiner Zeit hieß es eher geschlechter Differenz oder geschlechter Ungleichheit
00:10:28: hat sich herausgestellt, dass Frauen eine elf Komma zwei Prozent Punkte geringere Wahrscheinlichkeit haben, eine Führungsposition zu besetzen.
00:10:36: Und das in nordischen Ländern die ja eigentlich als egalitär gelten was das Thema Geschlecht angeht?
00:10:41: Ich finde im Alltag wenn man darüber redet
00:10:43: wird
00:10:43: vielleicht impliziert auch angenommen dass strukturelle Diskriminierung eine große Rolle spielt und ich wollte wir schauen inwiefern dass diese eigentlich durch die individuelle Präferenz und Motivation erklärt werden kann.
00:10:56: Und es zeigte sich, dass ein Viertel des Unterschieds durch die individuelle Führungsneigung erklärt werden kann.
00:11:02: Fast drei Vierteln nicht.
00:11:04: Schockierend!
00:11:06: Also knapp dreiviertel der Geschlechtelücken bleiben auch noch berücksichtigt und erführungssneigungunerklärlich.
00:11:13: Das ist leider nichts völlig überraschendes aber das ist trotzdem sehr ernüchternd oder?
00:11:18: Was gibt es da für Erklärungen?
00:11:20: Ja, also ich beruhigt sich sicher keine Faktoren wie als Elternschaft, Arbeitszeitmodelle und Care-Arbeit.
00:11:26: Ich war nicht fokus auf meine Arbeit aber das ist etwas was ich annehme wenn ich mal versuchen muss diese drei Viertel irgendwie einzuschätzen.
00:11:33: Mich würde noch wundern nehmen kann man denn die individuelle Führungsnagung abstrahieren von dem wie Mädchen und Buben zum Beispiel sozialisiert wurden?
00:11:42: Dass sie antizipieren vielleicht dass sie nicht die gleichen Chancen haben werden usw.
00:11:46: Kann man es überhaupt abstrahiern?
00:11:48: Es ist ja nicht
00:11:49: nachher die Rede
00:11:50: davon, dass es nachher an der einzelnen Person liegt.
00:11:53: Sondern das ist auch wie du gesagt hast eine Frage des Sozialisationen.
00:11:56: Es ist eher eine Frage, wie man diese Geschlechterlücke nacherschließen
00:11:59: kann.".
00:12:00: Wenn die Geschlechtelücke auf die Sozialisation zurückzuführen sei, müsse man anderswo ansetzen als wenn Diskriminierung durch Vorgesetzte dahinter stecke, sagt Katharina Fawar – die Studentin.
00:12:11: Hat es Spaß gemacht dieser Arbeit zu machen und sich diese Gedanken zu
00:12:14: machen?
00:12:14: Ja, also ich habe mich schon immer auf meine Bachelorarbeit gefreut.
00:12:17: Ich bin auch froh mit dem Thema
00:12:19: und
00:12:20: wie das nachher alles rausgekommen ist.
00:12:22: Ich finde die Resultate extrem
00:12:24: spannend.".
00:12:25: Später will sie noch einen Master machen – aber jetzt erst einmal ein Jahr lang noch mehr Arbeitserfahrung sammeln in dem Unternehmen, in dem sie während des Studiums schon gearbeitet hat.
00:12:39: den ganzen Anstellungsprozess mitmachen, Hiring und Bewerbungsgespräche und so.
00:12:46: Falls mich das interessiert kann es sein dass ich mich in diese Richtung bewege und wenn's mich nicht interessiert dann weiß ich auf jeden Fall dass ich nicht das machen werde.
00:12:59: Mich beeindrucken diese jungen Menschen und ich ertappe mich bei meinen eigenen Vorurteilen.
00:13:04: Ich dachte die heutigen Studierenden seien viel weltfremder.
00:13:08: Damals als ich studierte schworen wir auf unser freies Studium dass kaum Pflichtveranstaltungen und kaum Prüfungen kannte.
00:13:15: Wir befürchteten, die stärkere Standardisierung und Berufsorientierung der Hochschulen gehe auf Kosten von akademischer Freiheit und Bildung.
00:13:24: Und wir dachten, wenn die Woche mit Lehrveranstaltung und Prüfung gefüllt sei, bleibe keine Zeit mehr für anderes – für Erwerbsarbeit, für politisches Engagement und auch keine Zeitmehr für selbstständiges Denken!
00:13:36: Nach den Begegnungen mit den Studierenden komme ich mir reichlich arrogant
00:13:39: vor.".
00:13:41: Und ich ärgere mich über die Berichterstattung in den Medien, die so verdächtig ähnlich klingt wie damals anfangs der Siebzigerjahre am Radio.
00:13:49: Die Soziologen – so heißt es – hätten nur schlechte Berufsaussichten und seien daher die potentiellen Unruhe
00:13:55: stifter.".
00:13:56: Das Revolutzer-Image haftet den SoziologInnen mittlerweile nicht mehr an.
00:14:00: Dafür gelten sie heute für manche als weltfremde Schmarotzer im Gegensatz zu den fleißigen Fachkräften.
00:14:10: Wer stellt sonst die Infrastruktur zur Verfügung, die die Work-Life-Balance Akademiker als Gott gegeben erachten?
00:14:18: Schreibt die NCZ im Sommer XXVI.
00:14:21: Wer baut den Homeoffice-Profis die Wärmepumpe ein – die im Sommer auch als Klimaanlage dienen kann?
00:14:27: Diese Berufsleute sind Wohlstandsgaranten!
00:14:30: Sie sind eidgenössisch diplomierte Experten, die dem Soziologiestudenten das Studium finanzieren.
00:14:36: Die Soziologiestudentin, so möchte ich dem NCZ-Kometator entgegenschmeißen, finanziert ihren Lebensunterhalt selber und sammelt sogleich auch die nötige Arbeitserfahrung um nach dem Studium eine Stelle zu finden.
00:14:48: Sie engagiert sich ehrenamtlich für die Demokratie und wählt einen Beruf mit dem sie dazu beitragen kann dass die Welt gerechter wird.
00:14:56: aber es bringt nichts sich über die Zeitungspolimik aufzuregen.
00:15:00: Lieber vertiefe ich meine Beobachtungen im Gespräch mit Jörg Rössl, dem stellvertretenden Institutstirektor.
00:15:07: Wie erlebt er die Studierenden von heute?
00:15:09: Viele haben durchaus auch politische Ideen im Hinterkopf wenn sie Soziologie oder andere Sozialwissenschaften studieren aber die denken alle auch an den Arbeitsmarkt
00:15:19: und darum wolle man das Masterstudium noch stärker Arbeitsmarkt bezogen gestalten.
00:15:23: Dabei sei es jedoch wichtig, die traditionellen Stärken des Studiums am Sutz beizubehalten.
00:15:29: Die fundierte Ausbildung in quantitativen Forschungsmethoden und die Befähigung zum analytischen Denken.
00:15:35: Der Erfolg bei den Studierenden scheint dem Institut recht zu geben.
00:15:39: Eigentlich sind wir jetzt tatsächlich an der Fakultät das am zweitstärksten ausgelastet Fach nach der Psychologie also.
00:15:46: insofern funktioniert das scheinbar ganz gut was wir machen.
00:15:52: Ich möchte wissen, wie sich jemand auf dem Arbeitsmarkt schlägt der oder die das Studium im Bachelor-Master System abgeschlossen hat.
00:16:00: Auf LinkedIn gebe ich Soziologie und Universität Zürich ein und stoße auf das Profil von Laura Biladita.
00:16:08: Soziologie Physikelektronik steht da eine ungewöhnliche Kombination.
00:16:14: mein Interesse ist geweckt.
00:16:16: Ich heiße Laura Villadita.
00:16:18: Ich arbeite am Institut für Bildungswissenschaften an der Facherschule Nordwestschweiz und ich habe ursprünglich Soziologie- und Physik studiert, an der Universität Südich.
00:16:30: Und vorher hab' ich eine Brustlehre gemacht aus
00:16:34: Elektronikerin.".
00:16:35: Laura Villaditta ist unter vielen Aspekten keine typische Schutzabsolventin – das merke ich bald!
00:16:41: Aber ihr Werdegang berührt viele Themen von denen in diesem Podcast schon die Rede war….
00:16:46: und ist auch im Spiegel der aktuellen Debatten um Berufslehre versus Studium interessant.
00:16:51: Aber von vorn!
00:16:52: In der Schule gehörte Laura wieder die Tat zu den Kindern mit den guten Noten, umso erstaunter waren ihre Lehrpersonen als sie sich nicht fürs Gymnasium entschied sondern für eine Lehre.
00:17:03: Meine Eltern haben selber keinen akademischen Hintergrund und ich war auch zu dem Zeitpunkt, die erst in der Familie studieren wollte.
00:17:11: Von daher war von Anfang an klar, dass ich das finanziell aber auch emotional alleine mache weil das Verständnis dann nicht so da war.
00:17:20: was bringt mir das überhaupt zu studieren?
00:17:23: Schon mit fünf Zehn wusste Laura, dass sie sich ihr Studium selber würde finanzieren müssen.
00:17:28: eine Lehre zu machen entsprach aber auch ihren breiten Interessen.
00:17:32: Ich wollte immer etwas Praktisches machen, mit den Händenarbeiten kreativ sein.
00:17:38: Und ich habe mich auch immer schon für Mathematik interessiert.
00:17:42: Später ist dann auch die Physik dazu
00:17:43: gekommen.".
00:17:44: So entschied sie sich für eine Lehre als Elektronikerin – Mit dem Plan einer Berufsmaturität zu machen und im Anschluss die sogenannte Passerelle Eine einjährige Zusatzqualifikation, die zu einem Hochschulstudium berechtigt Ähnlich wie die Erwachsenenmattur.
00:18:00: Das klingt extrem überlegt und geplant.
00:18:02: Ich denke, die wenigsten Kinder sind in dem Alter an den Punkt wo sie so ihr Leben planen.
00:18:07: wie kannst?
00:18:08: Ich denke ich habe sich ein starkes Atonomiebedürfnis damals schon und ich denke viele wissen das auch gar nicht dass es diese Möglichkeit gibt.
00:18:17: also ich hab mir eigentlich dadurch fast finde ich mehr freigehalten weil ich dann beide Wege offen hatte.
00:18:24: Was Leichthüße klingt war mit viel Knochenarbeit verbunden Auch weil sie mit der Elektronik lehre, keine einfache Wahl getroffen hatte.
00:18:32: Weil ihr auch das Foto-Teil fragen könntet, keine Technik da ist und dann musste ich eigentlich immer mehr leisten um Annika zu werden.
00:18:40: Kommt dazu dass die Durchfallquote bei der Passerelle hoch ist.
00:18:44: aber mit ihrem Durchhaltewillen und dem klaren Ziel vor Augen schaffte Laura Villa Titta die Prüfung.
00:18:50: Als es darum ging sich für ein Studium zu entscheiden wählte sie Physik.
00:18:55: Ich wollte verstehen was die Welt bewegt, wie sie funktioniert und Physik kam mir da irgendwie passend vor.
00:19:03: Also zu verstehen, was die welt im Innersten zusammenhält das finde ich ein ja ein mega schönes Bild.
00:19:08: also ganz konkret die allerkleinsten Teilchen.
00:19:11: wie funktionieren wir in diese Richtung?
00:19:13: Genau!
00:19:13: Ich habe mich auch für Teilchenphysik interessiert und war dann auch sehr glücklich als ich dann werden Studium eine Anstellung an Physikinstud bekommen habe Und zwar nicht weil ich Physik studiert habe, sondern weil ich die Lehre gemacht habe aus Elektronikerin und ich wurde eingestellt als Technikerin.
00:19:30: Und konnte dann programmieren für CERN.
00:19:32: das war ein schöner Meilenstein den ich da erreicht habe.
00:19:36: Programmieren für das CERM – Das weltberühmte Zentrum für Kernforschung in Genf Ein außergewöhnlicher Studijob und einer bei dem eine Teilzeitanstellung reichte um sich einen bescheidenen Lebensunterhalt zu verdienen.
00:19:51: Es könnte der Start einer vielversprechenden Karriere als Physikerin gewesen sein, aber es kam anders.
00:19:57: Ja nach drei Jahren Physikstudium dachte ich mir irgendwie habe ich noch Fragen die mir die Physik glaube nicht beantworten kann.
00:20:04: Das war wieder die Frage was hält die Welt eigentlich im Innersten zusammen?
00:20:08: Nur diesmal nicht bezogen auf die Natur sondern auch die Gesellschaft.
00:20:12: Die Antworten suchte sie in der Soziologie.
00:20:15: Zuerst wählte sie Soziologie im Nebenfach und schließlich tauschte sie die beiden Fächer, und schloss mit Soziologie im Hauptfach- und Physik im Nebenfach ab.
00:20:24: Was hatte ich denn so fasziniert an der Sozoologie?
00:20:27: Für mich war die Sozologie eine extremer Erweiterung des Denkens weil die Physik wahnsinnig rational und also auch die Technik oder es gibt einfach richtig falsch.
00:20:38: Und die Soziologia hat in dem Sinne mein Denken erweitert das nicht nur richtig und falsch gibt sondern es gibt bessere und schlechter Argumente.
00:20:47: Und mehr noch, die Soziologie stärkte auch ihr Selbstbewusstsein.
00:20:51: Ich habe in der Soziologie auch gelernt dass ich eine Stimme hab mit der ich mich ausdrücken kann
00:20:57: Eine eigene Stimme?
00:20:59: Und auch einen kritischen Blick Mit dem sie die Welt um sich und auch die Wissenschaft zu analysieren begann.
00:21:05: Im Master habe ich mich mit Wissenschaftssoziologie auseinander gesetzt insbesondere mit dem Publication Bias also wissenschaftlichem Fehlverhalten.
00:21:14: Publication Bias bedeutet, Studien die keinen oder nicht den gewünschten Effekt finden werden oft gar nicht erst veröffentlicht.
00:21:22: Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild – für Laura Biladita war das eine ernüchternde Erkenntnis!
00:21:27: Sie liebte die Forschung aber der Blick hinter die Kulissen zeigte ihr auch die problematischen Seiten des Wissenschaftsbetriebs.
00:21:35: Mit dem Abschluss in Soziologie und Physik und der Elektroniklehrer in der Tasche ging sie auf Arbeitssuche.
00:21:41: Und fand eine Stelle als wissenschaftliche Beraterin beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation.
00:21:47: Heute arbeitet sie an der Fachhochschule Nordwest-Schweiz.
00:21:50: Sie erforscht warum sich Jugendliche nicht stärker für naturwissenschaftlich technische Fächer die sogenannten Mintfächer interessieren.
00:21:58: Ich habe jetzt ein sehr großes Projekt gemacht.
00:22:00: Das ist gerade in einer sehr tollen Phase, weil wir gerade nächste Woche publizieren werden.
00:22:06: Den veröffentlichten Forschungsbericht schaue ich mir nach unserem Gespräch an.
00:22:10: In Kürze?
00:22:11: Jugendliche interessieren sich generell nur mäßig für Mintfächer.
00:22:14: Das Interesse steigt wenn sie im Unterricht konkrete Anwendungen lernen.
00:22:19: Vor allem aber schätzen Mädchen ihre Mintkompetenzen geringer ein als Jungen – auch dann wenn sie eigentlich gleich kompetent sind!
00:22:27: Das ist auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel relevant.
00:22:31: Die aktuelle Stelle von Laura Viladita ist auf drei Jahre befristet und läuft in einem Jahr aus, was danach kommt?
00:22:38: Sie weiß es noch nicht aber ihre bisherigen Erfahrungen lassen sie vertrauen dass es schon gut kommt.
00:22:44: Ich kenne jetzt mittlerweile viele Leute die vielleicht nicht so diesen linearen Lebenslauf haben und am Ende macht das dann schon Sinn.
00:22:56: Mich fasziniert die Biografie von Laura ihre Neugier und ihr Wissenshunger, ihr Durchhaltevermögen und ihre Unabhängigkeit.
00:23:05: Wie sie scheinbar gegensätzliches zusammenbringt als Frau in einem Männerberuf, als Arbeiterkind an der Uni, als Absolventin einer Lehre und eines Studiums, als Studentin von Physik-und Soziologie.
00:23:18: Wenn man sich wie Laura Viladita die Frage konsequent stellt was die Welt im Innersten zusammenhält dann scheint es total naheliegend Physik und Soziologien zu kombinieren.
00:23:29: Mir fällt ein, dass eine der Gründer der Soziologie, der Franzose Auguste Comte die Soziologie ja auch Physik-Social – soziale Physik nannte.
00:23:42: Mit der Geschichte von Laura Villarita könnte dieser Podcast enden aber er wäre nicht ganz vollständig denn eine Frage ist noch offen Wo steht das Schutz heute?
00:23:53: Sechzig Jahre nach der Gründen im Bezug auf die Forschung An dieser Stelle nochmal einen kurzer Blick zurück.
00:24:01: Erster Institutsleiter war Peter Heinz, die die Welt ins Kleingeistige Zürich holte.
00:24:06: Unter ihm wurde das Institut zur Kader-Schmiede der Schweizer Soziologie.
00:24:10: Viele Schülerinnen des Sutz wurden später selber ProfessorInnen in Zürch aber auch in anderen Städten – in der Schweiz und im Ausland.
00:24:18: Umgekehrt setzte man am Sutz in den ersten Jahrzehnten stark auf ForscherInnen, die selbst schon in Züricht studiert hatten.
00:24:25: Das änderte sich erst in den Nullerjahren Zeitgleich mit dem Umzug nach Örlikon und der Umstellung auf das Bachelor-Master System.
00:24:32: Das war, glaube ich, ein auch symbolischer Übergang zu einer Uni die professionalisierte vielleicht internationalisiert vorwärtsgerichtet arbeitet.
00:24:47: Sagt Mark Herkenrat den wir in der letzten Podcastfolge gehört haben.
00:24:51: Die erste und zweite Generation der Lehrstühle wurde dann allmählich ergänzt durch Lehrstuhlinhaberinnen, die aus dem Ausland kamen.
00:25:04: Aus einer anderen Tradition und das hat dem Institut auf der einen Seite super gut getan ganz wichtig.
00:25:11: Auf der anderen Seite ja es hat Identitätsarbeit bedingt auf jeden Fall so.
00:25:17: Heute forschen und leeren WissenschaftlerInnen am Institut, die ihre akademische Laufbahn an ganz unterschiedlichen Orten begonnen haben.
00:25:25: Wir haben jetzt auch einige Kollegen, die eben zum Beispiel mit Starting Grants des Schweizerischen Nationalfonds zu uns gekommen sind.
00:25:31: Was immer auch zeigt ist, dass dieses Institut als ein Institut wahrnimmt wo man glaube ich eben auch auf eine gute Atmosphäre und gute kollegiale Arbeitsbedingungen trefft.
00:25:40: das ist glaube ich extrem wichtig.
00:25:42: Ein Starting Grant des schweizerischen nationalfonds ist eine renommierte Forschungsförderung in der Höhe von meist über.
00:25:51: Damit können etablierte Wissenschaftlerinnen auf dem Weg zu einer Professur ein eigenes Forschungsprojekt mit einem Team aufbauen und über mehrere Jahre hinweg zu einem Thema forschen.
00:26:02: Ein Soziologe mit einem solchen Prestigeprojekt ist Giuseppe Pietrandorno, ich darf bei einer Sitzung seiner Forschungsgruppe dabei sein.
00:26:09: Den Lied hat heute Alessandra oder Sandra Stampi-Bombelli.
00:26:14: Sie lädt mich ein sie beim Coop gleich neben dem Institutsgebäude zutreffen.
00:26:29: Ich
00:26:37: frage Sandra nach ihrer Forschungsgruppe und ihren Leitern.
00:26:51: Alle Projekte der Forschungsgruppe befassen sich mit dem Thema Einbürgerung.
00:26:55: Warum lässt sich jemand einbürgern?
00:26:57: Und ist die Einbürgarung der letzte Schritt auf den Weg zur Integration?
00:27:01: oder könnte es auch umgekehrt sein, dass die Einbirgerung bei der Integration hilft?
00:27:26: Auch die vierköpfige Forschungsgruppe ist sehr international.
00:27:30: Giuseppe Pietrantuono ist als Einziger in der Schweiz aufgewachsen.
00:27:47: Am Tisch sitzen vier Forschende auf unterschiedlichen Stufen der akademischen Karriereleiter.
00:27:52: Moëlle und Mathia arbeiten an ihrer Doktorarbeit, Sandra ist Postdoc-Forscherin und Giuseppe, Assistenzprofessor – ein Team mit Wurzeln in der Soziologie, der Politologie und der Ökonomie.
00:28:06: Zu Beginn erzählen die beiden Frauen von einer Reise nach Berlin.
00:28:11: Es war sehr hohe Qualität.
00:28:19: An der Konferenz gaben erfahrene Wissenschaftlerinnen den jüngeren Ratschläge fürs Vorankommen.
00:28:33: Und so teilen die beiden Frauen die Insider-Tipps mit ihren männlichen Kollegen Tipp Nummer eins, Netzwerk mit Menschen auf der gleichen Karriere-Stufe.
00:28:47: Denn sie sind es die dir einst Schlüsselpositionen haben und euch einstellen werden!
00:29:05: Duzierende seien meist großzügig mit dem Weitergeben von Vorlesungsfolien, vor allem wenn man ihr Material anreichere und dienen dann die eigenen Folien im Gegenzug überlasse.
00:29:22: Auf den Schultern von Riesinnen stehen – dieser Ratschlag geht auch an NachwuchsforscherInnen, die Diskriminierung
00:29:27: erleben.".
00:29:36: Zum Beispiel, wenn Frau sich um eine Professur bewerben will und die Berufungskommission nur mit Männern besetzt ist.
00:29:42: Dann sei es klüger, sich nicht selber zu wehren sondern Verbündete zu suchen, um nicht als Stören Frieden zu gelten und die eigenen Chancen zu gefährden.
00:29:55: Und noch ein Erfolgserlebnis hatten die beiden Forscherinnen aus Zürich an der Konferenz in Berlin.
00:30:07: An der Konferenz zeigten die Nachwuchsforscherinnen ihre aktuellen Projekte auf Poster.
00:30:12: Und Meil de Louis-Jost gewann den Preis für das beste Poster, eine Auszeichnung, die ihrer Arbeit Sichtbarkeit verlieh und sie mit renommierten Forscherinnen ins Gespräch brachte.
00:30:30: Und dann geht es von der Nachwuchsförderung zur Forschung.
00:30:33: Es ist der zweite Juni, die Abstimmung über die zehn Millionen Schweiz steht kurz bevor.
00:30:40: Dadurch bekommt die Arbeit der Forschungsgruppe eine zusätzliche Aktualität – zumal das Resultat auch die anwesenden AusländerInnen tangieren könnte.
00:30:49: Sandra versucht diese Aussicht mit Humor zu begegnen!
00:31:08: Für die Anwesenden ist klar, ein Jahr an der Ohne wäre ein Signal das sie als Ausländerinnen hier nicht willkommen sind.
00:31:16: Sie würden sich hier nicht mehr gleichwohl fühlen und für den nächsten Karriere Schritt wohl eher eine Universität in einem anderen Land wählen.
00:31:23: Als Schweizerin hier in der Runde schäme ich mich für mein Land wo die alteingesessenen so regelmäßig öffentlich darüber debattieren, ob Menschen, die seit Jahren hier leben arbeiten und Steuern zahlen einen Recht hätten hier zu sein.
00:31:38: Mir wird klar diese jungen Forschenden haben einen Blick von außen auf mein Land.
00:31:42: Mit der direkten Demokratie ist die Schweiz für sie ein interessanter Sonderfall an dem sich spezifische Themen erforschen lassen wie eben die Frage welche Auswirkungen solche Abstimmungsvorlagen auf die Betroffenen haben.
00:31:54: As you know, we're working on this paper.
00:31:56: Matthias Czecki und Meil de Louis Just beschäftigen sich mit der Frage wie sich muslimfeindliche Volksabstimmungen auf die Einbürgerung von Musliminnen in der Schweiz auswirken?
00:32:07: Das Minerätverbot von Zwei-Tausendundneun und das Burka-Verbot von zwei-tausendundundzwanzig wurden beide vom Stimmvolk angenommen.
00:32:15: ...which was framed as targeting Muslim women
00:32:19: wearing the burqa
00:32:21: and want to
00:32:23: see... Denkbar wären verschiedene Reaktionen, dass sich Schweizer Musliminnen durch die erfahrene Ablehnung weniger mit der Schweiz identifizieren und sich emotional stärker ihrem Herkunftsland zuwenden.
00:32:36: In diesem Fall würde die Einbürgerungsrate sinken.
00:32:39: oder das sie sich erst recht einbürgern lassen um sich vor potentiellen Verschärfungen des Ausländerrechts zu schützen.
00:32:46: Beide Hypothesen scheinen sozulogisch plausibel.
00:32:51: Mathias Czecki projiziert komplizierte statistische Berechnungen an die Wand.
00:32:56: Mein Soziologie-Studium liegt schon zu lange zurück, als er sich daraus schlau würde.
00:33:11: Was ich verstehe ist, dass die Resultate erstaunlich deutlich
00:33:15: sind.".
00:33:31: Welche der beiden Hypothesen bestätigt wurde, ob Muslim-Innen sich nun häufiger oder seltener einbürgern lassen?
00:33:38: Das darf ich an dieser Stelle leider nicht verraten.
00:33:41: Wer es wissen möchte, schreibt einen Mail ans Zutz – da erfahrt ihr mehr!
00:33:51: Ein paar Tage nach meinem Besuch bei der Forschungsgruppe fällt mir die Parallele auf.
00:33:56: Schon vor hundert Jahren, lange vor der Gründung des Suds, hielten zwei Soziologen aus dem Ausland der Schweiz den Spiegel vor – Abroteles Eloiteropoulos und Rönä König.
00:34:08: Darum ging es in der ersten Podcastfolge.
00:34:10: Damals wollte die offizielle Schweiz nicht in den Spiegelschauen und verweigerte den beiden Wissenschaftlern eine feste Anstellung.
00:34:17: Heute sind es Wiederforschende aus dem Ausland, die sich für die Schweizer Verhältnisse interessieren.
00:34:23: Sie schauen das Land in dem ich aufgewachsen bin – aus wissenschaftlicher Distanz an!
00:34:28: Auch ich sehe mein Land kritisch… aber ich kenne nichts anderes, weil ich hier aufgewachsen bin.
00:34:34: Wie würde ich die Schweiz sehen wenn nicht von hier wäre?
00:34:37: Kennen wir vieles vielleicht absurd vor?
00:34:40: Gedankenspiele.
00:34:44: Und so endet sie dieser Reise durch die Geschichte der Soziologie in Zürich.
00:34:49: Mir hat dieses Projekt die Soziologie noch einmal näher gebracht.
00:34:53: Ich habe es geliebt, einzutauchen in die Lebensgeschichten von Menschen, die Sozilogie studiert und ganz unterschiedliches daraus gemacht haben.
00:35:01: Und ich fand es enorm spannend Forschungsprojekte kennenzulernen, die mir erklären was die Gesellschaft zusammenhält oder auch was den Zusammenhalt pröcklen lässt!
00:35:12: Ich habe gemerkt wir brauchen diese Zoologie heute vielleicht mehr denn je.
00:35:20: Das war die siebte und letzte Folge von Weltenblick.
00:35:24: Sechzig Jahre Soziologie in Zürich, ein Podcast im Auftrag des SuZs der Soziologischen Instituts der Uni Zürrich.
00:35:31: Alle Folgen findet ihr Podcastplayer eurer Wahl oder im Netz auf suz.uzsh.ch.
00:35:37: slash.
00:35:37: podcast Recherche Produktion und Moderation Christina Caprez Mastering und Sounddesign Christina Baron Dramaturgische Beratung Franziska Engelhardt Musik Blue Dot Sessions Aufgezeichnet im Tonstudio der Bibliothek Wintertor.
00:35:56: Merci für dieses tolle Angebot!
00:36:00: Ganz herzlichen Dank an das Podcast-Team des Soziologischen Instituts, für das Vertrauen und für die inspirierende Zusammenarbeit.
00:36:07: Claudia Hiestandt, Patrick Ziltiner, Hannah Ochsner und Nico Kaiser Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, empfehlt uns weiter – wir freuen uns darüber.
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